Der Kreisel nimmt für Radfahrer so langsam Formen an

Seit dem 19.06.2017 ist der neue Kreisverkehr in der Schnabelsmühle auch für Radfahrer nahezu komplett be- und umfahrbar. Der Splitt wurde fast überall fein säuberlich auf gekehrt und die Beschilderung für die Benutzungspflicht vervollständigt. Die Baustellenbeschilderung weicht von Tag zu Tag immer mehr. Nach und nach entfaltet sich die recht gute Übersichtlichkeit dieses Bauwerks und auch die äußeren Zufahrtswege nehmen Gestalt an.

Die Rampe links von der Parkpalette ganz kurz vor dem Kreisverkehr, die der Radfahrer jetzt von Bensberg kommend nehmen muss, bedarf schon ein wenig Selbstvertrauen und Geschick, wenn man mit ordentlicher Geschwindigkeit die Bensberger Straße hinab gleitet. Hier sollte man rechtzeitig bremsen und den rückwärtigen Verkehr nicht aus den Augen verlieren, denn genau hinter der Rampe kreuzen evtl. Fußgänger die Einflugschneise, die zur Parkpalette wollen. Rechts an der Auffahrt ist ein kleiner Hochbord, der den Fußgängern den Weg weisen soll, damit diese nicht direkt ins Rad laufen. Man kann gespannt sein, wann es da zu ersten Konflikten kommt. Die Lösung bzw. Verkehrsführung ist nicht ganz unproblematisch.

Das Kreiseln an sich ist auf den gut 2 Meter breiten rot markierten Radweg relativ unproblematisch, solange sich Radfahrer an die Fahrtrichtung halten und der Kraftverkehr die Beschilderung und Vorfahrtregelungen im Auge behält. Hier haben Fußgänger und Radfahrer den absoluten Vorrang. Hätten wir im ganzen Stadtgebiet solche Wege, würde die Stadt als besonders Fahrrad-freundlich gelten und der ständige Konflikt Kraftverkehr / Radfahrer wäre zum größten Teil Geschichte.

Negativ fällt der Belag auf. Mit recht dünnen Reifen, von 25-32mm Breite, schlingert man etwas durch die Fugen der Steine. Ebenfalls nicht berauschend sind die Schläge, wenn man die Inseln überquert. Die schütteln einen gewaltig durch. Bei aller Konzentration auf den Verkehr ist das eine unnötige Barriere und evtl. ein Gefahrenpunkt, den man hätte vermeiden müssen. Die Aufmerksamkeit des Radfahrers liegt hier eindeutig auf dem Verkehr und nicht auf der Bodenbeschaffenheit. Nach den  „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen RASt 06“ steht unter 6.1.8.6 Furten auf Seite 91, dass Borde an Radfahrerfurten auf 0 cm abgesenkt werden sollen.Daher hätten solche Kanten nicht gebaut werden dürfen. Reifen und Material schonend geht anders. Von solchen Kanten gibt es durch die reichlichen Inseln viele. Besonders auf der gegenüberliegenden Seite, nach der Busausfahrt vom Konrad-Adenauer-Platz ist eine brutale Kante sowie zwei Kanaldeckel die schlecht angepasst sind.

Doch wie geht es rechts von der Parkpalette weiter? Bisher konnte man, wenn man wollte, egal ob Fußgänger oder Radfahrer, von der Gladbacher Straße in Bensberg bis zur Innenstadt von Bergisch Gladbach den rechten Hochbordweg durchgehend begehen oder befahren.

So wie es aber jetzt ausschaut ist ein rund 150 Meter langes Stück einfach nicht mehr mit eingeplant.

Kurz hinter der Hans-Zanders-Straße nach dem ehemaligen Barmer GEK Gebäude führt der derzeitige nicht benutzungspflichtige Radweg auf die Fahrbahn. Fußgänger werden schon etwas früher zum dortigen Spielplatz geleitet. Anscheinend ist ein fortlaufender Hochbordweg nicht eingeplant oder aber aus Kostengründen gestrichen worden.

Im weiteren Verlauf sieht man, dass hier nichts weiter außer Grünfläche geplant ist. Ein weiteres Indiz ist der wieder beginnende Hochbordweg kurz vor dem Kreisverkehr. Dieser wurde dort abgeflacht und auf Fahrbahnniveau angepasst.

Warum fehlen hier diese 150 Meter, die es Fußgängern erlauben würde auf dieser Seite zu laufen? Soll dies nun unterbunden werden? Wie sieht die weitere Gestaltung für den Radverkehr aus? Eine Umweltspur für lächerliche 150 Meter? Ein benutzungspflichtiger Radfahrstreifen oder aber nur ein minimalistischer Schutzstreifen?

Hier hätte man viel Platz gehabt um den Hochbordweg weiter zu führen. Wird hier einfach nur gespart weil die Entsorgungskosten etwas höher ausfielen? Allein aus gestalterischer Sicht ist das ein Armutszeugnis und typisch für das wilkürliche Enden von Radverkehrsanlagen im Nichts, bzw. ein Anfang der rein optisch nicht schlimmer hätte sein können.

Wie soll  jemals eine Akzeptanz in die Bevölkerung kommen, wenn unsichere Radfahrer, die lieber auf Hochbordwegen unterwegs sind, nicht animiert werden die richtige Fahrbahnseite in Fahrtrichtung zu benutzen? Diese werden wohl kaum auf der linken Parkpaletten Seite die Fahrbahn entlang fahren um dort in Fahrtrichtung auf den Radweg zu gelangen.

Das weitere Geisterradfahren von der Jüch an bis zur Schnabelsmühle auf dem dortigen Hochbord ist so vorprogrammiert und gefährdet bzw. behindert Fußgänger und den Einrichtungs-Radverkehr, der dort zur Pflicht gemacht wurde.

Man ist gespannt wie es dort gestalterisch weitergeht und umgesetzt wird, vor allem was sich Verwaltung und Rat dabei gedacht haben. Auf die Antworten freuen wir uns.

 

Ein Kommentar von Mike Gürgens 23.06.2017

 


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