Offener Brief an CDU und SPD zum FNP-Sofortprogramm

Offener Brief von Pro Velo Bergisch Gladbach
an die Fraktionen von CDU und SPD im Stadtrat

Als Interessengemeinschaft für den Fahrradverkehr begrüßen wir viele der Vorhaben, die die Fraktionen von CDU und SPD in ihrem “Zehn-Punkte-Sofortprogramm” zum FNP ankündigen (Bürgerportal), und möchten hiermit unsere konstruktive Mitarbeit anbieten. Insbesondere sind wir erfreut, dass die Realisierung des vom Stadtplanungsausschuss beschlossenen ‘Radwegekonzeptes’ samt Einrichtung von Fahrradstraßen (Punkt 3) zügig angegangen werden soll. Erste Vorschläge hierzu von Pro Velo finden sich bereits auf unserer Webseite, eine detailliertere Ausarbeitung ist derzeit in Vorbereitung.

‘Fahrradstraßen’ sind heute noch ein seltenes Bild in deutschen Städten. Es handelt sich dabei um kleinere, möglichst durchgehende Neben- oder Wohnstraßen, die für den Radverkehr optimiert werden. Fahrradstraßen sollten wenig Sichtbehinderungen (z.B. parkende Autos) aufweisen und Vorrang gegenüber Seitenstraßen genießen, so dass Radfahrer an Einmündungen (vormals ‚rechts vor links‘) zügig und ohne zusätzliche Kraftanstrengung vorbeifahren können. So können sie einen wichtigen Beitrag zur Entspannung des städtischen Verkehrs leisten, da Auto- und Fahrradfahrer je eigene, für ihre jeweiligen Bedürfnisse gestaltete Straßen nutzen können. Das bedeutet weniger Konflikte zwischen Auto und Fahrrad und damit mehr Sicherheit, was gerade im Umfeld weiterführender Schulen ein zentrales Thema ist.

Auch die angekündigte Schaffung von bezahlbarem Wohnraum (Punkt 2) sowie die vorgesehene Ausweisung von “urbanen Entwicklungsgebieten” (Punkt 8), einer neuen Art von Mischgebieten zum Wohnen und Arbeiten, sehen wir positiv. Bei beidem sollte von Anfang an die Frage der Verkehrsanbindung eine zentrale Rolle spielen: Wenn die neu ausgewiesenen Flächen und neuen Wohngebäude ausreichend zentral und in S- oder Straßenbahnnähe gelegen sind, sind die dort Wohnenden und Beschäftigen seltener auf die Nutzung des Autos angewiesen. So lässt sich trotz wachsender Stadt eine weitere Zuspitzung der Verkehrssituation vermeiden – ein Szenario, vor dem viele Bürgerinnen und Bürger in der FNP-Diskussion zu Recht warnen.

Eine gewisse Skepsis löst bei uns hingegen die Ankündigung aus, (auch) mit der Umsetzung der “Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs, die im Mobilitätskonzept vorgesehen sind” solle “unverzüglich begonnen” werden. Bei den meisten Einzelvorhaben, die im MobiK genannt werden, handelt es sich um die Markierung sogenannter ‘Schutzstreifen’ für den Radverkehr. Diese bringen nach unserer Einschätzung in den allermeisten Fällen keinerlei Verbesserung für Fahrradfahrende, oft sogar eine Verschlechterung. Von wenigen Ausnahmen abgesehen raten wir daher von der Einrichtung weiterer ‘Schutzstreifen’ ab; stattdessen sollte von Fall zu Fall geprüft werden, welche bessere Alternative es gibt.

Beim angekündigten “Umbau der Kreuzungen” – beispielhaft genannt werden “zusätzliche Abbiegespuren, Kreisverkehre” (Punkt 1) – darf sich die Planung nicht auf den motorisierten Verkehr beschränken, sondern muss auch die Leichtigkeit und insbesondere die Sicherheit des Rad- und Fußverkehrs berücksichtigen. Der Übergang von zeitgesteuerten hin zu nach Verkehrsaufkommen geregelten Ampelanlagen könnte bereits zu einer besseren Auslastung der Verkehrsknoten beitragen. Dabei muss jedoch die zuverlässige Detektion aller Verkehrsteilnehmer zu jeder Tageszeit gewährleistet sein, nicht nur der Kraftfahrzeuge. Anderenfalls läuft der Umbau der Kreuzungen Gefahr, der angestrebten “Veränderung des Modal-Split zugunsten des ÖPNV und Radverkehrs” gerade entgegenzuwirken.

Wir würden uns freuen, diese und weitere Fragen im direkten Gespräch mit Mitgliedern der beiden Fraktionen zu erörtern, und bekräftigen noch einmal unsere Bereitschaft, als erfahrene Alltagsradler konstruktiv an der weiteren Ausarbeitung des ‘Radwegekonzeptes’ mitzuwirken. Gemeinsam und mit frischen Ideen können wir die Verkehrsprobleme unserer Stadt lösen!

In Erwartung eines produktiven Austauschs verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

Pro Velo Bergisch Gladbach
Interessengemeinschaft zur Verbesserung der Radinfrastruktur

September 2017


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